Billige Werbung auf Kosten anderer

2015-04-10 14:07

Gutes Fleisch

Gutes Fleisch erkennt man am Preis – so lässt sich die aktuelle Werbung des Discounters Lidl vereinfachen. „Mehr bleibt bei einer Überprüfung der aktuellen Werbekampagne nicht übrig“, ärgert sich Norbert Liebig, Geschäftsführer der Fleischerinnung Bamberg Stadt und Land. Dass Begriffe wie „Fairness und Nachhaltigkeit“ für Lidl oberste Priorität haben, sei angesichts der jahrelangen aggressiven Preispolitik, die auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt gehe, nicht nachzuvollziehen.

„Lidl ist billig“ – lange hat der Discounter mit diesem Slogan geworben. Nun will er diesen Maßstab auch zum Qualitätsanspruch machen und den Kunden, zum Beispiel mit der Marketing-Offensive „Woran erkennt man gutes Fleisch“ suggerieren, dass transparente Produktion zu Ramschpreisen möglich ist und dabei noch das Tierwohl im Vordergrund steht. Ist es denn möglich, dass bei einem aktuellen  Preis von 5,99 Euro/kg für Putenbrust die Tiere ein artgerechtes Leben hatten, fragt Slowfood Deutschland berechtigterweise? Gilt die Putenlinie, die diese Brustfilets liefert, nicht längst als Qualzucht, deren Turbo-Schnellmast zu Krankheiten bei den Tieren führt? „Die Frage nach der Qualität sollte man hier gar nicht mehr stellen!“  

Doch deutlich wird in der Werbung auch, dass die Kompetenz für das Lebensmittel Fleisch fehle, erklärt Liebig . „Weder zählt Jungbullenfleisch zum zartesten Fleisch auf dem Markt, noch reichen zwei Wochen Reifezeit für Spitzenqualität. „Dass hier ein Qualitätsbegriff definiert werden soll, welcher noch dazu das Preis-Dumping in der Lebensmittelkette verschlimmert, kann so nicht hingenommen werden“, bilanziert Norbert Liebig. Der Discounter biete weiterhin Fleisch aus Massentierhaltung an, was sich mit einer vernünftigen, artgerechten Tierhaltung nicht vereinbaren lasse, unterstreicht er. Die „Initiative Tierwohl“ lasse man sich vom Verbraucher finanzieren, um damit werben zu können. „Das hat mit Fairness und Nachhaltigkeit wenig zu tun“, so Liebig.

Besonders ärgert ihn, dass der Discounter den Verkauf durch kompetentes Fachpersonal in Frage stellt. „Gerade der Discounter, der durch die Überwachung seiner Mitarbeiter aufgefallen ist, sollte nicht über die Wertigkeit kompetenten Fachpersonals entscheiden“, betont der Geschäftsführer. In der neuen Kampagne sieht er eine Diskriminierung der transparent und sauber arbeitenden Handwerksbetriebe vor Ort. Deutlich werde dies auch, dass der Begriff „regional“ in der Werbung nicht verwendet werde, der bei jeder Verbraucherstudie einen Spitzenplatz einnimmt.

Ein Spot des Discounters endet mit den Worten: „Eigentlich wissen wir doch alle ganz genau, was gut für uns ist.“ Das sieht Liebig auch so und meint: „Der Einkauf beim Discounter mit seinen Dumpingpreisen ist weder günstig noch nachhaltig.“ Auf die Frage woran man denn gutes Fleisch erkenne, meint der lächelnd „vielleicht daran, dass es nicht von Lidl kommt“. Er rät den Verbrauchern: „Gehen Sie zum Metzger Ihres Vertrauens, denn dort können Sie alles fragen, was Sie auf einem Etikett beim Discounter nicht finden.“

 

 

Zurück